Landschaft in bewegter Stille / Malerei und Radierung auf gewachstem Papier

Das Wachs eröffnet neue Arbeitsweisen. Durch seine besonderen Eigenschaften stellt es ein wandelbares und gestaltungswilliges Material dar. Wachs besitzt eine warme, lebendige Oberfläche. Durch den Prozess von Erwärmung und Abkühlung schafft es Momente des erstarrenden Fließens, die ich mir bei der Gestaltung meiner landschaftlichen Resonanzräume zu Nutze mache.
Die Arbeiten bestehen aus 2 Ebenen:
Im Vordergrund ein gewachstes Blatt, das malerisch mit Ölfarbe gestaltet ist und Ritzspuren aufweist.
Dahinter liegt ein zweites Blatt, dessen dunkle Strukturen schemenhaft durchscheinen.

In der Stille dieser monochromen Räume zeigt sich eine Welt, die uns nicht braucht.
Unberührt und von der Notwendigkeit befreit, gesehen oder benannt zu werden, ist sie ort,- und zeitlos sowie menschenleer.
Der Mensch ist hier verschwunden. Das Bild schweigt uns an. Es spiegelt eine Welt wider, die keinen Zweck erfüllt und nicht im Hier und Jetzt verankert ist. Durch den bewussten Verzicht auf ein vielfältiges Farbspektrum und gegenständliche Details entzieht sich die Landschaft dem menschlichen Verlangen nach Orientierung und Eindeutigkeit. Der dargestellte Raum ist nicht Gefäß für Dinge, sondern Raum an sich. Raum für Meditation, Resonanz und die Projektion innerer Bilder. Ein Ort, der bewusst befreit ist von der Anwesenheit des Menschen. Ein Ort, der keinen Namen braucht. Ein Ort, an dem die Stille zuhause ist.

Die Zeit steht still, das flüssige Wachs ist erstarrt und im Nachspüren der feinen Bewegungsspuren bringe ich die Natur leise zum Schwingen. Landschaft dauert länger als das Individuum. Inzwischen wartet sie auf das Verschwinden des Menschen, der sie verwüstet ohne Rücksicht auf ihre und seine Zukunft zu nehmen.

Bei den hier gezeigten Arbeiten handelt es sich um Abbildungen in einer reduzierten Farbigkeit. Reine Farbflächen und sparsame Texturen deuten Landschaft an, ohne sie abbilden zu wollen.
Mit dem Pinsel werden zunächst Wachsspuren auf das Papier aufgetragen. Das flüssige Wachs macht das Papier zum Teil durchscheinend, gleichzeitig ist es Schutz gegen die folgenden Farbaufträge. Die Wachsschicht ist aber auch sehr verletzlich und kann geritzt werden. Diese Spuren und Rillen nehmen später die Druckfarbe auf. Einige Stellen des Papiers bleiben offen, hier kann sich die Farbe satt und tief in den Fasern des Papiers verankern. Die Schwere der Ölfarbe kontrastiert mit den durchscheinenden wächsernen Flächen, die der Szene eine sanfte, neblige Stimmung verleihen. Die Transluzens ermöglicht es zudem, eine 2. Ebene zu unterlegen, deren Spuren zum Teil durchschimmern und so die Komposition vervollständigen.
Die Landschaft bleibt in ihrer Grundform statisch, wirkt still, unberührt und verletzlich. Zugleich strahlt sie jedoch durch die Textur des aufgetragenen Wachses und durch die Spuren der Radierung, eine innere Dynamik, Kraft und Bewegtheit aus. Das gewachste Papier ist zugleich in einem beschützten als auch fragilen Zustand, ähnlich wie die Natur selbst. Das Werk lädt dazu ein, Landschaft als verletzlich und schutzbedürftig wahrzunehmen und ihre friedliche, stille Kraft zu spüren.